Anatomie der Wirbelsäule

Form und Bau

    Die Wirbelsäule besteht aus Wirbeln und dazwischenliegenden Bandscheiben. Der Wirbel besteht aus zwei Teilen: Die Vorderseite  kennzeichnet den Wirbelkörper und die Rückseite den Wirbelbogen. Mit der hinteren Seite des Wirbelkörpers formt der Wirbelbogen den Rückenmarkskanal. Links und rechts auf dem Wirbelbogen befinden sich oben und unten Gelenksflächen.

    Die Bandscheiben befinden sich zwischen den Wirbelkörpern und bestehen aus einem inneren Gallertkern und einem äußeren Ring aus Bindegewebe und Knorpel. Der Aufbau des äußeren Rings ist ähnlich einer Zwiebelschale und er ist mit dem Wirbelkörper verwachsen. Der Gallertkern kann sich abhängig von den Bewegungen der Wirbelsäule, innerhalb des äußeren Rings, seitlich als auch vor- und rückwärts bewegen.

    Die Wirbelsäule eines erwachsenen Menschen zeigt seitlich von unten nach oben betrachtet typische Krümmungen:

  • LWS: nach vorne
  • BWS: nach hinten
  • HWS: nach vorne
  • Im Alter verringert sich die Höhe der Bandscheiben und die Keilform der Wirbel wird vor allem im Brustbereich zunehmen. Die Körpergröße verringert sich durch die im vorigen beschriebenen Phänomen um ca. 3 – 4 cm.

Das Bewegungssegment von Junghanns

    Zwei Wirbel sind durch zwei Gelenke und eine Bandscheibe miteinander verbunden. Man spricht von der funktionellen Einheit von zwei Wirbeln oder das Bewegungssegment. In diesem Bewegungssegment erkennt man, dass die Gelenksflächen der Wirbelbogen miteinander Gelenke formen. Diese Gelenke haben eine ganz normale Gelenksstruktur. Das heißt:

  • Die Gelenke sind von einer Gelenkskapsel umfasst.
  • Innerhalb dieser Gelenkskapsel befindet sich die Gelenkschmiere.
  • Auf den Gelenksflächen befindet sich eine Knorpelschicht.
  • An der Rückseite der Bandscheibe befinden sich zwischen zwei Wirbeln links und rechts Öffnungen, durch die die Nerven den Rückenmarkskanal verlassen.

Der Gallertkern ist der Mittelpunkt der Bewegungen im Bewegungssegment, die Gelenke bestimmen die Bewegungsrichtung. Der Gallertkern verschiebt sich stets entgegen der Bewegungsrichtung:

  • Beugung nach vorne - der Gallertkern bewegt sich nach hinten
  • Beugung nach hinten - der Gallertkern bewegt nach vorne
  • Seitliche Beugung - der Gallertkern bewegt nach links bei Beugung nach rechts und umgekehrt.
  • Drehung - die Drehung ist wie eine Wring-Bewegung, wobei der Gallertkern mehr oder weniger zusammengedrückt wird.

Die SI Gelenke

    Die Verbindung zwischen dem Kreuzbein und den beiden Beckenhälften werden die Ilio-Sacral-Gelenke oder SI-Gelenke genannt. Diese Gelenke sind durch die Form der Gelenksfläche sehr stabil und werden deshalb nicht durch Muskeln stabilisiert.

Physiologische Veränderungen der Wirbelsäule im Alter

    Diese Veränderungen betreffen sowohl die Bandscheiben als auch die Wirbel, wobei primär die Bandscheibe betroffen ist. Die Flüssigkeitsmenge in der Bandscheibe nimmt  ab, was u. a. eine Verringerung der Elastizität und Höhe zur Folge hat. Diese Verringerung der Bandscheibenhöhe verursacht eine stärkere Belastung der Gelenke der Wirbelsäule. Der Gelenksknorpel verliert an Quantität und Qualität. Das bedeutet: die physiologische Abnutzung der Bandscheibe verursacht die physiologische Abnutzung der Wirbelsäulengelenke. Die Wirbelsäule verliert allmählich ihre Beweglichkeit.

 

Die Pathologie der Wirbelsäule

Die pathologische Abnutzung der Wirbel und Wirbelsäulengelenke

    Bei stark erhöhter (Fehl-)Belastung der Wirbelsäule, findet neben intensiv auftretender Schädigung der Gelenksknorpel durch Zug von Kapsel, Bänder und Bandscheiben, auch eine Überreizung der Wirbelknochen statt. Der Unterschied zu den physiologischen Veränderungen besteht in der beschleunigten Entstehungsweise. Dort wo physiologische Veränderungen kaum Beschwerden verursachen, treten jetzt Symptome wie Steifheit, starke Muskelverspannungen und lokale Schmerzen im Ruhezustand auf.

Die pathologische Abnutzung der Bandscheibe

    Beim pathologischen Abnutzungsprozess der Bandscheibe gibt es zwei Stadien:

1. Die Vorwölbung:

  • Verliert die Bandscheibe ihre Elastizität und Festigkeit, so können im äußeren Ring kleine Risse entstehen. Wird die Wirbelsäule zusätzlich übermäßig in der Beugung nach vorne belastet, besteht die Gefahr, dass der äußere Ring der Bewegung des Gallertkern nach hinten keinen Widerstand mehr entgegenbringen kann und dieser somit nach außen gedrückt wird. Der Nerv, der den Rückenmarkskanal an dieser Schwachstelle der Bandscheibe verlässt, wird gereizt. Leichte Beschwerden, wie z.B.: Kribbeln, Taubheitsgefühl, Schmerzen bei Belastung können im weiteren Verlauf des gereizten Nervs auftreten.

2. Der Bandscheibenvorfall:

  • Bei starker Abnutzung der Bandscheibe kann der äußere Ring reißen. Der Gallertkern verlässt die Bandscheibe und kann den Nerv irreparabel schädigen. Starke Schmerzen, Gefühlsstörungen, Kraftverlust und Lähmungen sind die am häufigsten auftretenden Beschwerden.
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Beschwerden des SI Gelenks

    Ein stabiles SI-Gelenk verursacht in der Regel keine Beschwerden. Ein instabiles SI-Gelenk kann zu leichtem Ziehen, links und rechts vom Kreuzbein, aber auch zu starken chronischen Schmerzen, die häufig in die Beine ausstrahlen, führen. Ein instabiles SI-Gelenk kann durch chronische Überbelastung des Gelenks verursacht werden. Viel öfters sieht man eine Verweichung der Gelenkskapsel aufgrund von Veränderungen des Hormonsystems. Diese Veränderungen treten z.B. während der Menstruation und der Schwangerschaft auf. Die Folge kann eine langsam, aber auch akut auftretende Überreizung des Gelenks sein. Deswegen treten diese Beschwerden in der Regel häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Im Anfangsstadium ist die akut auftretende Überreizung des SI-Gelenks und des Wirbelgelenks nur sehr schwer voneinander zu unterscheiden. Sie werden beide auch „Hexenschuß“ genannt.